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Die Städte der Ober- und Niederlausitz


Oberlausitz

Görlitz
Quelle: Wikipedia, die freie Online-Enzyklopädie


Görlitz ist die östlichste Stadt Deutschlands und Kreisstadt des Landkreises Görlitz. Trotz der Eingliederung von Görlitz in die preußische Provinz Schlesien im Jahre 1815 ist Görlitz eine sächsische Stadt.
Die früheste urkundlich belegte Erwähnung von Görlitz erfolgte im Jahre 1071, als Heinrich IV. ein Dorf "villa gorelic" dem Bischof von Meißen übereignete.


Görlitz liegt in der Ostoberlausitz an der Lausitzer Neiße, die dort seit 1945 die Grenze zu Polen bildet. Der östlich der Neiße gelegene Teil der Stadt wurde durch die Grenzziehung in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg abgetrennt und bildet seitdem die eigenständige polnische Stadt Zgorzelec. Görlitz ist mit 56 500 Einwohnern die größte Stadt der Oberlausitz, weitere 32 000 Menschen leben heute im polnischen Zgorzelec.

Stadt der Architektur
Die Stadt Görlitz bietet vor allem für Freunde der Architektur einiges zu entdecken. Mit 3500 größtenteils restaurierten Baudenkmälern weist es eines der besterhaltenen historischen Stadtbilder in Deutschland auf und bildet damit das größte zusammenhängende nationale Flächendenkmal. Die Altstadt ist durch spätgotische, Renaissance-, Barock- und Jugendstil- Bürgerhäuser sowie ein ausgedehntes Gründerzeitviertel (Jugendstil) geprägt.

Da Görlitz im zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurde, kann man in der Altstadt immer noch wunderschön verzierte Fassanden, kunstvolle Deckengemälde aus verschiedenen Epochen sowie stilvolle Gewölbe besichtigen.

Das Rathaus, dessen älteste Teile aus dem 14. Jahrhundert stammen, ist eines der auffälligsten Gebäude der Stadt. Die um 1537 /1538 erbaute Rathaustreppe wurde von Wendel Rosskopf, einem der berühmtesten Görlitzer Baumeister erschaffen. Die Ziffernblätter der Rathausuhr sind noch die Originale aus dem Jahr 1524.

Was für die Oberlausitz die typischen Umgebindehäuser sind, sind für Görlitz die sogenannten Hallenhäuser. Die beeindruckenden Kreuzgewölbe erstrecken sich über die gesamte Breite der Eingangshalle. Hier stapelten Kaufleute ihr Tuch und sogar komplette Pferdefuhrwerke fanden hier Platz.

Heute gibt es in Görlitz noch 35 dieser beeindruckenden Bauwerke. Das Biblische Haus in der Neißstraße stellt auf der Fassade Szenen aus dem Alten und Neuem Testament dar. In dem Gebäude mit der Hausnummer 30 befindet sich hinter einem aufwendig gestalteten Barockportal eine der ältesten Bibliotheken Sachsens, die Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften.

Geschichte
Quelle: Wikipedia, die freie Online-Enzyklopädie

Ursprüngliche Besiedelung und Stadtgründung
Archäologische Funde im Stadtgebiet belegen eine Besiedlung seit der späten Jungsteinzeit (Schnurkeramische Kultur von ca. 2800 bis 2200 v. Chr.). Aus der Zeit der Lausitzer Kultur stammen Funde von Brandbestattungen. Des Weiteren wurden Kupfer- und Bronzemünzen aus der späten Römischen Kaiserzeit geborgen. Nachdem während der Völkerwanderungszeit im 4. und 5. Jahrhundert die germanische Bevölkerung das Gebiet der östlichen Oberlausitz aufgelassen hatte, wurde das Gebiet erst im späten 7. und 8. Jahrhundert von slawischen Gruppen wiederbesiedelt. Unsicher ist, ob es sich dabei um die Besunzane handelte, von denen ansonsten nichts bekannt ist. Aus dieser Zeit stammen Funde von Keramik aus der heutigen Nikolaivorstadt und der östlichen Altstadt.
Ende des 10. Jahrhunderts unterwarf der meißnische Markgraf Gero die slawischen Stämme in der Ober- und Niederlausitz und gliederte ihr Gebiet in das Reich ein. Es blieb jedoch lange Zeit ein Konfliktherd zwischen Böhmen, Polen und dem Heiligen Römischen Reich. Görlitz wurde 1071 erstmals in einer Urkunde König Heinrichs IV. erwähnt. Darin wurde das slawische Dorf Goreliz dem Bischof von Meißen geschenkt. 1075 kam das Gebiet der heutigen Ober- und Niederlausitz als Pfand und 1089 als Reichslehen unter die Herrschaft der böhmischen Herzöge und späteren Könige, die mit Unterbrechungen bis 1635 damit auch Stadtherren von Görlitz waren.
1126 und 1131 wurde die Burg Yzcorelik, die vermutlich im Bereich der Peterskirche lag, zusammen mit anderen Burgen an der Grenze Böhmens durch Herzog Sobeslav I. ausgebaut. Angelehnt an die dörfliche Siedlung bzw. die Burg entwickelte sich wohl in der Mitte des 12. Jahrhunderts an der Via Regia eine Ansiedlung von Kaufleuten mit der Nikolaikirche im Kern. Um 1200 entstand eine planmäßige Stadtanlage um den Untermarkt im Bereich der heutigen Altstadt. Ein Vertreter des böhmischen Königs residierte 1234 und 1238 in der Stadt, der dem Kreis der führenden Familien entstammte, aus dem die Großgrundbesitzer und Fernhändler hervorgingen. Diese lösten sich spätestens bis 1282 aus der stadtherrlichen Gewalt.
Unter der Herrschaft der Askanier, die den östlichen Teil des Landes Bautzen mit der Stadt Görlitz 1253 als Pfand vom böhmischen König erhalten hatten, wurde die Stadtanlage nach Westen erweitert und eine Stadtbefestigung errichtet, die nun auch das 1234 gegründete Franziskanerkloster einschloss.

Aufstieg zum mittelalterlichen Handelszentrum
Für die Zeit kurz vor 1300 ist ein Stadtrat mit Bürgermeister, zwölf Ratsherren und vier Schöffen belegt. 1303 bekam Görlitz, als erste Stadt in der Region, die Unabhängigkeit vom landesherrlichen Vogteigericht verliehen und erhielt die Obergerichtsbarkeit, was als Datum der städtischen Unabhängigkeit gilt. Wenig später entwickelte sich eine jüdische Gemeinde. Nachdem die Stadt 1329 wieder zurück an Böhmen gefallen war, bestätigte König Johann von Luxemburg die sich entwickelnde Ansiedlung der Juden und stattete Görlitz mit zahlreichen Rechten, insbesondere dem Münzregal, aus. 1339 erhielt die Stadt zusätzlich das Stapelrecht für Waid, eine in ganz Europa nachgefragte Färberpflanze, die die Farbe Blau in der Tuchfärbung lieferte. Die Stadt wurde durch ihren aufstrebenden Handel, im Waid sogar einem Monopol in den böhmischen Ländern, und eine florierende Tuchproduktion zur bedeutendsten Handelsstadt zwischen Erfurt und Breslau. Mitte des 14. Jahrhunderts hatte der Rat das Stadtgericht in Händen. Seit dieser Zeit ist ein doppelter Mauerring bezeugt, der ein Gebiet von 24 ha umfasste.
Gestützt auf ihre wirtschaftliche Macht und königliches Privileg gründeten am 21. August 1346 Bautzen, Görlitz, Zittau, Kamenz, Löbau und Lauban den Oberlausitzer Sechsstädtebund, formal, um im Auftrag des Landesherrn, des Königs von Böhmen und späteren deutschen Kaisers Karl IV., den Landfrieden zu wahren. Rechtlich stand Görlitz damit den Freien Reichsstädten kaum nach. Einhergehend mit dem wirtschaftlichen Aufschwung stiegen die Zünfte zu lokalen Machtfaktoren auf. Sie lehnten die "Außenpolitik" des Rates ab und begehrten 1369, 1390 und 1405 vergeblich gegen die Ratsobrigkeit auf. 1377 bis 1396 war die Stadt Zentrum des Herzogtums Görlitz, das Karl IV. für seinen siebenjährigen Sohn Johann gegründet hatte. Dieser gestattete 1389 die Vertreibung der Juden aus Görlitz. Nach seinem Tod 1396 wurde das Herzogtum wieder aufgelöst.
Während der Hussitenkriege wurden 1429 die südlichen und östlichen Vorstädte niedergebrannt, die ummauerte Stadt jedoch nicht belagert. Nach zahlreichen Fehden, die die Stadt im 14. und 15. Jahrhundert zur Wahrung des Landfriedens und ihrer umfangreichen Privilegien geführt hatte, war sie im 15. Jahrhundert auch in die Auseinandersetzungen um den Böhmischen Thron zwischen Georg von Podiebrad und Matthias Corvinus verwickelt. Als Konsequenz wurden bis 1477 auch die Vorstädte mit einem Graben und Palisaden umgeben und die Stadtbefestigung modernisiert und verstärkt. 1491 entluden sich die Spannungen zwischen Görlitz und Zittau, die bereits nach Ende der Hussitenkriege begonnen hatten, in einem Bierkrieg, bei dem es um das Recht der Zittauer ging, Bier zollfrei einzuführen. Unter der Herrschaft des ungarischen Königs Matthias Corvinus kam die Stadt im späten 15. Jahrhundert zu höchster Blüte, die bis weit in das 16. Jahrhundert anhielt. Aus dieser Zeit stammen zahlreiche Bürgerhäuser und Kirchenbauten der Spätgotik und Renaissance. Zugleich erwarben Görlitzer Bürger umfangreichen Landbesitz seit den 1440er Jahren. Um 1500 hatte die Stadt rund 10.000 Einwohner.
Die Spannungen zwischen Zünften und Rat setzten sich bis in das 16. Jahrhundert fort und mündeten in den Streit um die Reformation. Ab 1521 wurde in Görlitz evangelisch gepredigt, auch wenn sich der Rat noch lange widersetzte. 1539 wurde eine evangelische Kirchenordnung eingeführt. In der Folge des Schmalkaldischen Krieges war die Stadt 1547 vom Oberlausitzer Pönfall betroffen, da die Sechsstädte nur sehr zögerlich Truppen für den Krieg gestellt hatten, die zudem das kaiserliche Lager bereits vor der Schlacht bei Mühlberg wieder verließen. Die Stadt wurde zur Zahlung einer hohen Geldstrafe verpflichtet und verlor zahlreiche Rechte und sämtlichen Landbesitz. Zwar konnten in den folgenden Jahren viele Besitzungen und Privilegien wieder zurückgekauft werden, die Macht der Städte in der Oberlausitzer Ständerepublik war jedoch zugunsten des Landesherrn und der großen Adelsgeschlechter gebrochen.

Görlitz im Kurfürstentum Sachsen
Im April 1636 wurde Görlitz zusammen mit der Oberlausitz, deren Stände sich den aufständischen Böhmen angeschlossen hatten, zum Ausgleich für Kriegsschulden des Kaisers an das Kurfürstentum Sachsen vergeben. 1637 bestätigte der Kaiser die vorgefundenen konfessionellen Verhältnisse mit dem Traditionsrezess, woraufhin er in Görlitz die Huldigung entgegen nahm. Im weiteren Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wurde das von Schweden besetzte Görlitz im Jahr 1641 erfolgreich belagert. Dabei erlitt es schwere Schäden. Im Siebenjährigen Krieg war die Stadt in der Schlacht von Moys erneut Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen.
1779 wurde hier die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften gegründet, die später zur größten bürgerlichen Gesellschaft ihrer Art in Deutschland heranwuchs.
Als Napoléons Armee aus dem Russlandfeldzug zurückkehrte, zogen Armeeeinheiten durch das Görlitzer Gebiet und plünderten die umgebenden Dörfer, unabhängig davon, ob es sich um Verbündete handelte, oder Gegner. Innerhalb eines Jahres marschierten so mehr als dreißig Truppenteile an Görlitz vorbei; die verbündeten Franzosen mussten einquartiert und verpflegt werden. Bürgermeister Samuel August Sohr berichtet vor allem von den sich schnell ausbreitenden Epidemien. Nach der Niederlage Napoléons lief das sächsische Heer zu den Alliierten über, doch wurde Sachsen als Gegner behandelt. Daher war Sachsen beim Wiener Kongress nicht vertreten. Dort wurde 1815 Görlitz in die preußische Provinz Schlesien eingegliedert und Sitz des gleichnamigen Kreises innerhalb des Regierungsbezirks Liegnitz.

Zweite Blüte unter preußischer Herrschaft
Die Zugehörigkeit zu Preußen hatte erheblichen Einfluss auf die politische und gesellschaftliche Entwicklung der Stadt. 1833 wurde das preußische Stadtrecht eingeführt und die Stadt unter dem ersten Oberbürgermeister Gottlob Ludwig Demiani zu einer erneuten Blüte geführt. 1847 erhielt sie einen Bahnanschluss nach Dresden und wurde gleichzeitig über eine Zweigbahn mit Berlin und Breslau verbunden. 1867 eröffnete die Berlin-Görlitzer Eisenbahn-Gesellschaft ihre Bahnstrecke von Berlin nach Görlitz vom Görlitzer Bahnhof in Berlin.
Damit in Verbindung stand eine rasche Industrialisierung. Zahlreiche öffentliche Großbauten, Industrieanlagen und Wohnsiedlungen der Gründerzeit prägen noch heute das Stadtbild südlich der Altstadt. Mit der Teilung Schlesiens kam Görlitz 1919 zur neuen Provinz Niederschlesien, die zunächst bis 1938 und dann noch einmal zwischen 1941 und 1945 bestand.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde wie überall im Deutschen Reich die jüdische Bevölkerung systematisch entrechtet und in Konzentrationslager verschleppt. Allerdings vereitelte die Görlitzer Feuerwehr den Versuch, in der Reichspogromnacht 1938 die Görlitzer Synagoge in Brand zu setzen, so dass diese als eine der wenigen Synagogen im heutigen Sachsen größtenteils unversehrt blieb. 1944 wurde das KZ-Außenlager Görlitz eingerichtet. Nachweislich wurden hier über 400 jüdische Häftlinge aus Ungarn, Polen, Tschechien und Russland ermordet oder starben an Krankheiten und Entkräftung. Gegen Ende des Krieges wurden insgesamt 37 Häuser zerstört, 89 teils schwer beschädigt, hinzu kamen die sieben Brücken über die Neiße, die in den letzten Kriegstagen gesprengt wurden.

Sozialismus und DDR
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Görlitz durch die Oder-Neiße-Grenze geteilt. Der östlich der Neiße gelegene Teil der Stadt ist seither polnisches Staatsgebiet und heißt Zgorzelec. Die dort ansässige Bevölkerung wurde ab 21. Juni 1945 zwangsausgesiedelt. Wegen der Flüchtlingswellen wuchs die Stadtbevölkerung kurzzeitig auf über 100.000 an. Der bei Deutschland verbliebene größere Teil der Stadt wurde Teil des Landes Sachsen, das allerdings 1952 aufgelöst wurde. Danach gehörte die Stadt zum Bezirk Dresden.
Mit der Unterzeichnung des Görlitzer Abkommens am 6. Juli 1950 wurde die Oder-Neiße-Grenze zwischen der damaligen Volksrepublik Polen und der Deutschen Demokratischen Republik von beiden Seiten als Staatsgrenze anerkannt. Völkerrechtlich anerkannt wurde die Grenze jedoch erst mit dem Deutsch-polnischen Grenzvertrag von 1990 zwischen der Bundesrepublik und Polen.
Am 17. Juni 1953 kam es in Görlitz nach einer Kundgebung mit 30.000 Menschen zum zunächst erfolgreichen Aufstand, der nach Verhängung des Ausnahmezustands durch die sowjetische Besatzungsmacht von Einheiten des Ministeriums für Staatssicherheit und der Kasernierten Volkspolizei niedergeschlagen wurde.
Ab 1975 entstanden die Neubaugebiete Königshufen und Rauschwalde, während die Bausubstanz der Alt- und Innenstadt verfiel. Ende der 1980er Jahre waren flächendeckende Abrisse geplant, die durch die politische Wende 1989 jedoch ausblieben. Es gibt in Deutschland nur sehr wenige in ihrer Einwohnerzahl (2007: 58 000; seit ein paar Jahren mehr Zu- als Wegzug) mit Görlitz vergleichbare Städte, die eine solche Dichte von gut erhaltenen Baudenkmälern aufweisen können. Von dem Bau- und Rekonstruktionsboom nach der Wiedervereinigung, der wesentlich durch Fördermaßnahmen des Staates und der Europäischen Union getragen wurde, konnte insbesondere die Innenstadt profitieren. Der anhaltende Bevölkerungsschwund in den östlichen Bundesländern macht sich allerdings auch in dieser Region bemerkbar.

Görlitz im Freistaat Sachsen
Im wiedergegründeten Freistaat Sachsen wurde Görlitz eine kreisfreie Stadt im neu gebildeten Regierungsbezirk Dresden. Im Zuge der Kreisreform 1994 ging der Landkreis Görlitz im neuen Niederschlesischen Oberlausitzkreis auf. Görlitz wurde zunächst Kreissitz, verlor diese Funktion jedoch bald darauf an Niesky. Im Verlauf der sächsischen Kreisgebietsreform 2008 wurden der Niederschlesische Oberlausitzkreis, die kreisfreie Stadt Görlitz sowie der Landkreis Löbau-Zittau am 1. August 2008 zum Landkreis Görlitz fusioniert. Kreissitz wurde Görlitz. Damit entfiel der Status kreisfreie Stadt, Görlitz bekam jedoch den Titel Große Kreisstadt.

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